Darf’s etwas weniger sein?
Reduktion auf das Wesentliche in der Fotografie kennt man ja - aber ausgerechnet in der Naturfotografie? Da wo das Leben tobt? Geht das?
Natürlich - warum nicht?
Und dafür braucht es gar nicht sooo viel: Wie immer natürlich den Blick für’s Motiv, denn wer blind durch die Welt taumelt, wird auch nichts sehen. Soll heißen: Hinter jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken - man muss nur hinschauen! Das klappt natürlich nicht immer - ich möchte nicht wissen, an wieviel Gelegenheiten ich schon vorbeigelaufen bin, weil ich mit meinen Gedanken woanders war. Aber so ist das in der Naturfotografie. Mal stolpert man regelrecht über sein Motiv, ein anderes Mal erfordert es allerhöchste Konzentration, um das Motiv zu finden.
Hier sorgte das richtige Licht an der richtigen Stelle für die Reduktion. Der pralle Sonneneinfall auf mein Motiv lässt den Hintergrund in der Schwärze untergehen. Nicht einmal eine Minute später war das Licht schon wieder weitergezogen und der Spuk vorbei. Wäre ich nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und hätte meinen Blick nicht auf diese Stelle gerichtet, wäre ich ohne dieses Bild weitergezogen.
High-key: Die extreme Überbelichtung blendet hier überflüssige Hintergrunddetails aus. Übrig bleibt die Scherenschnittdarstellung der Hauptmotive, die sich im stillen Wasser des Sees widerspiegeln. Trotz (oder gerade wegen) der Überbelichtung entsteht eine zarte Morgenstimmung anstatt eine Farbexplosion im Morgenlicht.
Im Prinzip das genaue Gegenteil des oberen Bildes: Die low-key Darstellung in schwarzweiß und die Reduktion auf nur zwei Hauptelemente im Bild verstärken den grafischen Eindruck dieses Bildes. (Wie dieses Bild entstanden ist, beschreibe ich in dem Blogbeitrag “Making of: Schattenpilze“.)
Dies sind nur wenige Beispiele für die Möglichkeiten von Reduktion in der Naturfotografie. Durch das gezielte Ausblenden überflüssiger Details entstehen minimalistische Bilder, die den Blick sofort auf das Wesentliche lenken.