Watte hatte heute?
Großspurig verkünden die Wetterportale für den nächsten Morgen Nebel in den Flusstälern und darüber hinaus. Für mich das Zeichen, den richtigen Ort für die morgige Fototour zu finden und den Fotorucksack entsprechend auszustatten. Dann noch den Wecker stellen und hoffen, dass am nächsten Morgen noch alles so ist, wie die digitalen Wetterfrösche vorhergesagt haben.
Wecker klingelt, Smartphone bestätigt die Wetterbedingungen, Klamotten wirbeln, Schuhe trappeln, Türen schlagen, Rucksack fliegt ins Auto, Fotograf auch und dann ab durch die Mitte.
Doch kurz vor dem Ziel: Nix mit Nebel!
Knorrige Eichen und Kiefern im Nebel in den höher gelegenen Wäldern des Ahrtals waren eigentlich mein Ziel. Den Ort kenne ich gut und ich weiß, dass es dort Nebel geben kann – so wie angekündigt. Doch der Nebel reicht nicht hoch genug, die Sonne scheint und der Nebel befindet sich tief im Tal – wat nu? Es hilft nichts. Erst mal weiterfahren und schauen, wie sich die Sache entwickelt. Während ich durch das völlig nebelverhangene Ahrtal fahre, kommt mir eine Idee – etwas das ich noch nie ausprobiert habe und für heute quasi mein letzter Strohhalm ist, an den sich meine Hoffnung klammert, noch ein paar gute Bilder mit Nebel zu machen: Ich fahre zu einem beliebten Aussichtsturm, gut und schnell mit dem Auto zu erreichen. Das ist wichtig, denn die Zeit arbeitet gegen mich. Ich muss dort sein, bevor sich der Nebel auflöst.
Auf dem Turm bietet sich mir ein grandioses Bild: In der Sonne stehend blicke ich in ein mit Nebel gefülltes Tal. Die Ortschaften sind unter der Nebeldecke nicht zu sehen. In den Randbereichen zieht der Nebel wie Watte durch die Hänge des Ahrgebirges. Dort ändert sich sekündlich das Bild: Bäume und Felsen tauchen aus dem Nebel auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden.
Wie im Rausch mache ich innerhalb einer viertel Stunde alle meine Bilder, während sich der Nebel immer weiter auflöst. Dann ist Schluss – besser wird es nicht mehr. Tag gerettet!